Montag, 07. Juni 2010

Grasende Pferde sind zufriedene Pferde - Der richtige Weidegang

Frühling und Sommer ist die Zeit des regelmäßigen Weidegangs für Pferde. Das Weideland dient dem Pferd als wichtige natürliche Futterquelle, zur arttypischen Bewegung, für sportliche Pferde als Entspannung nach der Arbeit, aber auch zur Pflege von sozialen Kontakten. Der natürliche Futtersuchtrieb, also die Kombination von Grasen und Schrittbewegungen, sollte täglich wenigstens einige Stunden befriedigt werden.

Es gibt jedoch einige Dinge, die man beim Weidegang beachten sollte:

Weidegang – aber wie lange?

Grasende Pferde sind zufriedene Pferde, weil die Grasungsbeschäftigung bei Pferden einen zufrieden stellenden Sättigungsfaktor darstellt. Zusätzlich werden wichtige Nähr-, Wirk- und Ballaststoffe aufgenommen.

Pferde sind vegetarische Dauerfresser, die frei lebend ungefähr 16 Stunden am Tag fressen. Ihr Sättigungsgefühl ist nicht von den Blutwerten oder dem Magenfülldruck abhängig, sondern vorwiegend von der Ermüdung der Kaumuskulatur. Der Magen produziert aufgrund der genetisch bedingten seltenen Fresspausen kontinuierlich Verdauungssaft, der ohne Nahrungsnachschub den Magen schädigen kann. Aus diesem Grund sollten Pferde grundsätzlich sechs bis zwölf Stunden, über 24 Stunden am Tag verteilt, Heu, Gras, Stroh oder Heulage zum Kauen bekommen. So werden Magen-Darm- und Stoffwechselstörungen vermieden.

Es ist sinnvoll Jungpferde und Zuchtstuten vom Frühjahr bis in den Herbst hinein ganztägig weiden zu lassen. Reit- und Fahrpferde sollten aus Konditionierungsgründen hingegen nur begrenzt weiden. Sportlich stark genutzte Pferde sollten nicht mehr als zwei bis sechs Stunden am Tag auf die Weide gelassen werden. Damit vermeidet man eine Überfütterung und vor allem starke Weidebäuche. Im Stall muss diesen Pferden dann aber natürlich noch ausreichend Raufutter bzw. frisches Schnittgras mit Stroh vermischt zur Verfügung gestellt werden.

Futterumstellung und Entwurmung

Zu Beginn der Weidezeit soll dem Pferd mindestens zwei Wochen Raufutter beigefüttert werden, weil so Magen-Darm-Störungen durch die Futterumstellung vermieden werden können. Zugefüttert wird jedoch nur Heu und Stroh und keine Heulage, da der Säure-Basen-Haushalt in der Umstellungszeit schnell unausgeglichen reagieren kann.

Um Infektionen durch Wurmbrut auf den Weiden vorzubeugen, sollten alle Pferde 14 Tage vor dem Weidegang entwurmt werden. Der Kot der Tiere muss während der Saison unbedingt regelmäßig entfernt werden und darf keinesfalls als Dünger verwendet werden.

Gras – ein Dickmacher?

Gras enthält natürlich Kalorien und einen hohen Nährwert und die wohlgenährten Vierbeiner auf den Koppeln lassen ebenfalls diesen schnellen Schluss zu. Man muss aber zwischen verschiedenen Grassorten und Pferderassen unterscheiden.

Nährstoffreiche Klee-Gras-Weiden sind zum Beispiel für Zuchtpferde gut geeignet. Leichtfuttrige Pferde wie Haflinger oder Vollblutaraber hingegen neigen eher zur Fettsucht. Sie sollten morgens und nachmittags jeweils nur eine Stunde grasen und sonst eine ausreichende Raufutterration aus Heu, Stroh und Heulage sowie eine angepassten Kraftfutterration erhalten.

Zusammenstellung von Pferdegruppen

Die Zusammenstellung von Pferdegruppen auf der Weide bedarf bei sehr kleinen Arealen große Vorsicht und Geduld. Hier soll man zunächst immer nur zwei Pferde miteinander stundenweise zusammen  lassen, und erst allmählich ein weiteres Pferd dazu gewöhnen. Grundsätzlich ist die Gruppenintegration von typähnlichen Pferden leichter, da sie ein ähnliches Verhalten und Temperament aufweisen. Je größer das Areal ist, umso problemloser ist die Zusammenführung und Integration von Pferden.

Revierstreitigkeiten und Rangordnungsrivalitäten kommen häufig bei Hengsten und spät kastrierten Wallachen, die mit Stuten oder anderen Wallachen zusammen laufen, vor.

Wie viel Platz braucht ein Pferd?

Der Flächenbedarf von Pferden ist stark unterschiedlich und abhängig von der Zahl, der Größe und Nutzung sowie der Grasungsdauer der gehaltenen Pferde, den Klimabedingungen, den Bodenverhältnissen, der Höhenlage und dem Weidetyp.

Die empfohlene Besatzstärke liegt bei drei bis vier Großvieheinheiten je Hektar. Wobei ein Warmblutpferd 1,2 Großvieheinheiten entspricht. Das ergibt also pro Pferd zirka ein halber Hektar Fläche.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass aus Sicht des Pferdes die ideale Weide großflächig, mit einem artenreichen Pflanzenbestand ist. Die Pflanzen sollen energiearm sein und auch Kräuter umfassen. Weiters soll es eine Wasserstelle und ausreichende Schutzmöglichkeiten in Form von Bäumen oder einer Schutzhütte geben.