Montag, 23. März 2015

Longieren zum Ausgleich – runde Gymnastikarbeit mit dem Pferd

Alle vier Beine des Pferdes sind mit Gamaschen geschützt, es trägt eine festgeschnallte Sattelunterlage (Schabracke) und eine Trense, woran die Longierleine befestigt ist. Der Mensch hat gutes Schuhwerk an, eine Kleidung, die ihn in der Bewegung nicht einschränkt und – ganz wichtig – Handschuhe. Sonst ist die Gefahr von schmerzhaften Verbrennungen an den Händen groß, wenn das Tier plötzlich anzieht. – Los geht’s, die Gymnastikstunde mit dem Ausgleichsport für das Pferd kann beginnen…

Auf die Peitsche haben wir heute verzichtet, wir sind auch so gegenüber dem Pferd präsent, unsere Körpersprache und unsere Kommandos sind eindeutig. Es gehört zur unserer wöchentlichen Arbeit mit dem Tier, um ihm Abwechslung und Auslauf ohne Reiter zu bieten und neben dem täglichen Reiten an eine andere Situation zu gewöhnen. Auch überschüssige Energie und Übermut bauen wir mit dem Longieren ab.

Apropos Übermut: Unbedingt dazu gehört das regelmäßige Longieren beim Training für das jüngere Pferd: Es baut die Muskulatur auf, schult seine Balance (am Anfang tut sich fast jedes Pferd schwer, im Kreis zu laufen) und verbessert die Kondition sowie den Umgang zwischen dem Vierbeiner und uns Mensch. Ist das Pferd ein junger Hengst und sehr stürmisch, kann man noch ein Halfter über die Trense legen, um den Longenhaken sowohl in den Gebissring, als auch in den Ring vom Halfter einzuhaken – das verhindert, dass man den Gebissring zu einseitig aus dem Pferdemaul hinauszieht und das junge Tier damit zu stark bedrängt.

14 bis 16 Meter hat die Runde, in der wir uns auf nicht zu lockeren, aber auch nicht zu festem Boden bewegen. Rein geht’s – und gleich ab zur Mitte. Während wir in der Mitte des Kreises stehen bleiben, schicken wir das Pferd raus an den Rand und geben das erste Kommando. Die Longierleine halten wir dabei wie einen Zügel – also keinesfalls fest um die Hand geschlungen!
Nun beginnen wir, mehrere Gangarten durchzuexerzieren und wechseln dabei auch die Richtung, damit das Pferd auf beiden Seiten gleich trainiert wird.

Für die professionelle Longierarbeit braucht es allerdings Profis. Nur, wer sich wirklich auskennt, schafft es, dem Pferdemuskel die nötige Erleichterung zu schaffen und den optimalen Muskelaufbau zu forcieren, die tägliches Reiten nötig macht. Ungeübte Pferde lehnen sich oft in die Innenrunde hinein und belasten damit die Sehen und Gelenke des inneren Vorderbeins. Ungeübte Menschen bellen zu viele Kommandos oder ziehen hart und ruckartig an der Leine – das tut dem Pferd weh! Wir haben lange geübt, den Leinendruck nur langsam zu erhöhen – heute reicht es schon, wenn wir die Longelein heben und das Pferd reagiert: „Brr!“, für heute reicht es, die halbe Stunde ist um. Pferd und Mensch hat sie gut getan.