Montag, 07. Juni 2010

Grasrehe – Wenn grünes Gras zur Gefahr wird

Mit der Weidesaison beginnt auch die Angst vieler Pferdebesitzer vor dem erhöhten Risiko für Pferde an Hufrehe zu erkranken. Warum gerade Gras, das ursprüngliche Hauptnahrungsmittel für Pferde, als Hauptrisikofaktor für die steigende Zahl an rehekranken Pferden verantwortlich ist, lässt sich leicht erklären.

Die Gräser auf den Pferdeweiden, sind nur noch selten von natürlichem Ursprung, sondern stammen meist aus gezüchteten Saatgutmischungen. Diese Zuchtgräser versprechen hohe Erträge, haben aber auch einen sehr hohen Energiegehalt. Dies ist für Nutztiere wie Milchkühe und Mastrinder ideal. Für die wesentlich genügsameren Pferde enthalten diese Hochleistungsgräser aber viel zu viel Zucker und sind zu rohfaserarm.

Außerdem sind Zuchtgräser mit Schutzstoffen gegen Frost, Insektenfraß, Verbiss und Dürre ausgestattet, die sie schnell und unbeschadet wachsen lassen sollen. Einer dieser Schutzstoffe ist Fruktan.

Fruktan ist ein langkettiges Zuckermolekül, das im Dünndarm des Pferdes nicht ausreichend aufgeschlossen werden kann, so in den Dickdarm gelangt wo es durch die Übersäuerung des Darminhalts das Absterben von nützlichen Mikroben verursacht. Dadurch kommt es zur Freisetzung von Endotoxinen, die über die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen. Das löst eine Mangeldurchblutung aus, die im Lederhautbereich zu einer Sauerstoff- und Nährstoffverarmung führt. Gewebebezirke beginnen zu degenerieren. Im Verlauf des Entzündungsprozesses erhöht sich der Flüssigkeitsdruck im beengten Raum der Hufkapsel und es werden Zersetzungsenzyme aktiv. Als Folge können die Blättchen der Hufwand und der Huflederhaut ihre Verzahnung nicht mehr aufrechterhalten. Damit geht die Verbindung des Hufbeins mit der Hornkapsel in einem schmerzhaften Prozess verloren. Das Hufbein kann sich innerhalb des Hufkomplexes absenken oder verdrehen, bis hin zum völligen Verlust der Hornkapsel.

Die Fruktananreicherung ist bei diesen Zuchtgräsern bei intensiver Sonneneinstrahlung am höchsten. Rehegefährdete  Pferde sollten am besten am Vormittag auf die Weide, da der Fruktangehalt bis zum Nachmittag stetig steigt. Allerdings ist auch die nötige Wärme für ein ausreichendes Graswachstum wichtig. Unter 6 Grad Celsius wächst das Gras nicht weiter und der Fruktanspeicher kann sich nicht vollständig abbauen. Einige Zuchtgräser reagieren auf Kälte mit einer vermehrten Fruktanproduktion. Auch bei anhaltender Dürre wird vermehrt Fruktan gebildet.

Ein weiterer Nachteil dieser strukturarmen Gräser ist der geringe Sättigungswert für Pferde. Aus diesem Grund und wegen der schmackhaften Süße wird das Gras bis zur Graswurzel abgefressen, und die Tiere werden damit schneller fett. Dies betrifft vor allem leichtfuttrige Pferde und Ponys, die meist nicht ausreichend bewegt werden. Es ist daher wichtig, dass auf Intensivweiden mit einem hohen Anteil an riskanten Zuchtgräsern die Grasaufnahme zeitlich kontrolliert wird.

Leidet ein Pferd bereits unter einem akuten Reheschub, muss neben der Behandlung durch den Tierarzt auf eine vitalstoffreiche aber zucker- und stärkereduzierte Diät geachtet werden. Dazu eignet sich Equigard von St. Hippolyt. Um die Entzündung zu überwinden, helfen Nährstoffmischungen wie Lamin. Ist die Akutphase überstanden, hat sich zur Vorbeugung gegen einen neuerlichen Reheschub das Nährstoffkonzentrat Glucogard bewährt. Den Neuaufbau einer gesunden Hornsubstanz unterstützt Ungulat Hufkur.

Um die Zunahme von Hufrehe bei Pferden einzudämmen ist den Pferdebesitzern die Rückkehr zu artenreichen und natürlichen Grünlandflächen zu empfehlen. Ideal ist ein traditionelles Dauergrünland aus einer Vielzahl unterschiedlicher heimischer Wildgräser und Kräuter. Um diese gesunde Futtergrundlage zu erhalten ist eine rücksichtsvolle Nutzung und gegebenenfalls eine nötige Pflege der Weide ein Muss.