Dienstag, 29. April 2014

Weiße Pferde, schwarz geboren – die berühmten Lipizzaner

Da es sie schon seit dem 16. Jahrhundert gibt, sind die Lipizzaner eine der berühmtesten Pferderassen überhaupt. Sehr temperamentvoll, trotzdem sensibel und empfindlich, treu, anhänglich, mutig und intelligent haben sie am liebsten nur eine Bezugsperson um sich. 

Sobald ein Lipizzaner merkt, dass ihn der Reiter mit Respekt und Liebe erziehen möchte, wird ´er von sich aus sein Bestes geben und den Reiter für seine Zuneigung und Geduld mit großer Gelehrigkeit belohnen. Nicht umsonst sind es ausschließlich Lipizzaner, die zum Erhalt der klassischen Reitkunst ausgebildet werden, um Jahr für Jahr viele Tausende Besucher der Spanischen Hofreitschule in Wien zu verzaubern.

Ursprünglich kommen die wunderschönen Warmblüter als robuste Karstpferde aus dem slowenischen Lipica. Hier und vor allem auch im weststeirisch-österreichischen Bundesgestüt Piber werden sie nach wie vor zu erstklassigen Reit- und Turnierpferden herangezüchtet. Bis in die Spanische Hofreitschule in Wien schaffen es allerdings nur wenige Hengste – und das ausschließlich aus Piber.

Wenn man an einen Lipizzaner denkt, entsteht automatisch das Bild eines Schimmels vor Augen. Das liegt daran, dass Lipizzaner eine schneeweiße bis silberne Fellfarbe haben. Die haben sie aber keinesfalls von Geburt an. Die weiße Farbe bekommen sie erst mit sieben bis zehn Jahren.

Geboren werden Lipizzaner wie alle Schimmel nämlich schwarz, seltener auch braun oder mausgrau. Bei den meisten Fohlen beweisen innerhalb der ersten Wochen nur weiße Stichelhaare, dass sie einmal ein Schimmel werden. Verursacht wird dieses Phänomen durch eine Jahrtausende alte Gen-Mutation, das so genannte Grau-Gen. Eines von hundert Lipizzanerfohlen, die in Piber zur Welt kommen, bleibt trotzdem dunkel oder sogar schwarz.

Die ersten sechs bis acht Monate bleiben die Fohlen bei ihren Müttern im Laufstall. Danach kommen die jungen Wilden auf Außenstationen, wobei sie nach Geschlechtern getrennt werden und die nächsten drei Jahre die Sommermonate auf Almen verbringen dürfen. Das ist wichtig, um die Lungen zu stärken, die Trittsicherheit zu fördern und Kondition zu trainieren.

Für ihren großen Auftritt werden sie im Alter von ca. dreieinhalb Jahren ausgewählt, den ersten Sattel bekommen sie als Spätentwickler frühestens mit ca. vier Jahren aufgelegt.
Die Stuten müssen sich übrigens auch einer Art Leistungstest unterziehen, um zur Zucht eingesetzt zu werden.