Montag, 21. Januar 2013

Märchenhafte Pferdeschlittenfahrt

Zwei PS, zwei Kufen und im Schlitten wir zwei auf roten Lederpölstern: Dick vermummt und warm bedeckt gleiten wir nahezu lautlos durch die tief verschneite Landschaft. Nur das Stapfen und Schnauben der Pferde ist in der beginnenden Dämmerung zu hören. Und ab und zu das Schnalzen des Kutschers auf dem Bock vorne – das ist Romantik pur.

Es sind traditionellerweise zwei geruhsame Haflinger, die uns ziehen – gemächlich im Schritt. Ob Haflinger nun Kalt- oder Warmblüter sind, fragen wir uns, als die ersten weißen Flocken zu fallen beginnen. „Ein robustes Gebirgspferd ist es auf jeden Fall“, meint der Kutscher und Besitzer der beiden fuchsfarbenen Damen, „manche meinen, es sei eine autochtone Rasse aus dem Südtiroler Ort Hafling. Aber irgendwann vor 100 Jahren hat man begonnen, Kaltblüter hineinzuzüchten. Seitdem wird diskutiert… Was meint ihr dazu, ihr zwei Schönen?“, wendet er sich an die Pferde.

Auf jeden Fall sind unsere Haflinger intelligent – und hören gut.  Rosa, die 20-Jährige (nach ihrer Mutter Raffaela mit einem „R“-Namen benannt), hat ihr linkes Ohr ein wenig nach hinten geklappt, ihr schöner, großer Kopf mit den langen Wimpern voller Schneeflocken hinter den Scheuklappen folgt um ein paar Grad, soweit das Geschirr es zulässt.
Auch die noch jüngere Liebelei („ihre Mutter hieß Linde und hat sich auf der Sommerweide in einen Wallach, der zu Besuch war, verliebt“, schmunzelt unser Kutscher) zeigt sich am Gespräch interessiert und wiehert kurz auf: Dampf steht vor ihrem Maul, es ist doch etwas kalt geworden.

"Ich glaube, sie sagen, dass sie Ponys sind“, lachen wir, „weil sie nicht gerade groß sind“. – „Die Linde hat ein Stockmaß von 1,44“, erklärt der Kutscher und Pferdebauer, „da könnte man schon noch von einem Pony sprechen. Aber die Rosa mit ihren 1,52 ist drüber, denke ich“. Uns ist bisher kein wesentlicher Größenunterschied aufgefallen, aber ja, ab 1,48 ist Schluss mit dem Ponysein, eh klar…

Wir biegen Richtung Dorf ab, in der Ferne können wir schon die ersten Lichter sehen, die Schneeflocken im auffrischenden Wind tanzen dichter vom Himmel. Der Kutscher knallt mit der Peitsche, es ruckt. Rosa und Liebelei legen einen Gang zu und traben jetzt den Feldweg entlang. Unser Schlitten ist zwar alt und nicht gefedert, aber der tiefe Schnee lässt uns gleichmäßig schnell dahin gleiten: Schön! Wir kuscheln zurück in die roten Lederpölster, genießen die Nähe der großen Tiere, ihren Geruch, ihre gleichmäßigen Bewegungen, die vorüberziehende, dunkler werdende Landschaft, bestehend aus Schneehügeln, verschneiten Bäumen und einem alten „Heustadl“ hie und da… am Horizont die Bergrücken und die alpine Hochebene vor dem aufgehenden Mond: Ein Wintermärchen!

Zuhause (wir machen Winterurlaub am Pferdehof) wird uns der Bauer noch mehr über seine Liebelei und die Rosa erzählen. Wie er ihnen vor vielen Jahren das erste Mal ein komplettes Geschirr mit Kopfstück und Scheuklappen angelegt hat. Wie die Stuten – nach einem Training an der Doppellounge – nach und nach verstanden haben, was er von ihnen will und wie die ältere Rosa der Liebelei geholfen hat, sich an den Schlitten (und im Sommer an die Kutsche) zu gewöhnen … Aber das – ist eine andere Geschichte!