Dienstag, 19. November 2013

Luft, Licht und Bewegung auch im Winter – so bleibt mein Pferd gesund!

Enge Boxen, Matratzeneinstreu, geschlossene Türen und Fenster, in den Stallgassen zusätzlicher Staub, schimmeliges Heu und Stroh und keinerlei Auslauf für die eingestellten Pferde fordern vielerorts ihren peinigenden Tribut: Akute Atemwegserkrankungen! Dabei brauchen Pferde nur wenig, um auch im Winter gesund und glücklich zu sein:

Möglichst wenig Staub, einwandfreies Heu, Stroh und andere Futtermittel, qualitativ gute Einstreu (schimmelfrei!), täglichen Auslauf und – wenn es möglich und das Fell nicht geschoren ist – eine Offenstall-Haltung. Denn die ist auch in der Wintersaison immer noch die gesündeste Halteform für Pferde. Sofern sie hygienisch aufmerksam betreut wird!

Findet man bei Kälte, Nässe, Wind und Minustemperaturen aber nur eine zugige Weidehütte mit minderwertigem Einstreu sowie nass-kaltem Boden vor, erkranken die Tiere ebenso, wie ihre Kollegen, die in muffigen und warmen Ställen permanentem Ammoniakgeruch ausgeliefert sind. Eine Offenstallhaltung mit ständigem Zugang zu Ausläufen bzw. Koppeln muss ebenso die Pferde-Bedürfnisse erfüllen wie andere Haltungsformen auch.

So legen sich Pferde zum Schlafen z. B. gerne hin. Nur flach ausgestreckt sind sie imstande, in den Tiefschlaf zu fallen. Müssen sie im Stehen schlafen, können sie sich nicht vollständig erholen. Man braucht also genügend Platz (und Einstreufläche!) für die gesamte Pferdeschar, damit alle ein Platzerl finden und rangniedrigere Tiere nicht ewig von einer Ecke in die andere gescheucht werden. Denn um wohlig in den Tiefschlaf sinken zu können, muss sich ein Pferd in seinem Zuhause auch sicher genug fühlen – sonst legt es sich niemals hin. Der Kontakt zu anderen Pferden gehört für das Herdentier natürlich trotzdem dazu.
Und: Pferde unterteilen ihr Territorium gerne in verschiedene Funktionsbereiche. Sie schlafen nicht gerne an derselben Stelle, wo sie fressen. 

Da das Pferd in der Offenstallhaltung eine natürliche Schutzschicht aus Talg im Fell bildet und damit Feuchtigkeit und Kälte draußen haltet, ist die Offenstallhaltung die beste Überwinterungsvariante für robuste Tiere (und das kann durchaus auch ein Turnierpferd sein, das im Winter Pause hat!). Achtung allerdings beim Reiten: Dank der Felldichte schwitzen die Tiere schneller und müssen anschließend sehr gut betreut und getrocknet werden!

Ansonsten gibt es viele Vorteile: Es ist nicht so schlimm, wenn man sein Pferd an einem Tag nicht bewegen kann, da es im Offenstall ja frei herumlaufen kann. Meist sind diese Tiere gesünder und leistungsfähiger als Stallpferde. Sie arbeiten besser mit, sind zufriedener und ausgeglichener.
Gibt es allerdings einen häufigeren Pferdewechsel, ist die Offenstallhaltung zu überdenken: Neue Pferde bringen immer eine gewisse Unruhe in die Gruppe, bis die Rangordnung festgelegt ist (das gilt übrigens auch für Laufställe!).