Mittwoch, 12. Juni 2013

Was Menschen für den Berufsalltag von Pferden lernen können…

…VIEL! Damit einem ein Pferd folgt, muss man z. B. Führungsverhalten zeigen! Dabei sind Pferde unerbittlich und lassen den Zweibeinern nicht den kleinsten Fehler durchgehen – das Tier reagiert sofort auf das Verhalten des Gegenübers. So lernt der Mensch einiges über seine Wirkung auf andere – nicht nur auf Pferde – kennen. Erkenntnisse, die auch für den Berufsalltag wertvoll sind.

Man muss sich das so vorstellen: Pferde sind Herdentiere und haben damit eine Rangordnung, die sich ständig ändern kann: Da gibt es Individuen, die abseits stehen, andere sind im Mittelpunkt oder laufen immer einem anderen hinterher… Es ist allein schon spannend, aus der Beobachtung von Pferden Schlüsse auf den eigenen Arbeitsalltag zu ziehen – welches Pferd erinnert einen an bestimmte Personen, Situationen, Teams oder an einen selbst…?

Außerdem sind Pferde äußerst aufmerksam und reagieren sofort. Ein Beispiel: Wenn jemand ein Pferd durch einen Parcours oder im Kreis herum führt – ohne Strick und ohne Halfter – können die beiden eine wunderbare Einheit bilden und das Pferd bleibt, ohne zu zögern, an der Seite. Wird sich der Mensch dann aber plötzlich unschlüssig darüber, ob er seinen vierbeinigen Trainingspartner nun nach rechts oder links führen soll, funktioniert diese Einheit nicht mehr und das Pferd läuft z. B. geradeaus. Weil der Mensch selbst nicht mehr wusste, was er wollte, hatte er die Führungskompetenz verloren.

Außerdem sind alle Pferde unterschiedlich, man muss sich auf jedes Tier einstellen und es unterschiedlich behandeln, je nachdem, was man von ihm will: Soll das Pferd springen, braucht es ein massiveres Auftreten. Will man es einen Slalomkurs entlang führen, muss man ruhig und bedacht vorgehen. Wobei: Selber reiten können muss man für solche Experimente nicht!

So wertvoll diese Erfahrungen auch sind – ganz unumstritten sind die boomenden Seminare für die Schulung von Personal mit Pferden auch wieder nicht. Ein besonderer Kritikpunkt dabei ist die psychologische (Über-)Interpretation, vor allem des Aussuchvorgangs: Wer die kleine Stute wählt, will vielleicht seine Dominanz ausleben, wer sich für den schwarzen Hengst entscheidet, hat wohl etwas zu kompensieren… In vielen Fällen wird dabei aber einfach nur spontane Sympathie zwischen Mensch und Tier ausschlaggebend sein.

Zu beachten ist natürlich auch, dass Menschen ohne jegliche Erfahrung mit Pferden – oder jene, die sogar etwas Angst vor ihrem großen Gegenüber haben – natürlich gehemmt sein können. Und dass sich die Situation damit als eine völlig andere wie im Berufsalltag gegenüber Kollegen und Mitarbeitern darstellt…