Dienstag, 07. Mai 2013

Anweiden – bitte nicht von 0 auf 100!

Den ganzen Winter im Stall und nun acht Stunden auf der Wiese? – Auch, wenn es dem Pferd gefällt, sich mit Artgenossen auszutoben und das erste saftige Grün des Bodens in braunen Dreck zu verwandeln – das ist keine gute Idee! Das frische Frühlingsgras stellt eine ernstzunehmende Gefahr für das Pferd dar.

Besser erst ein wenig Schnittgras im Stall füttern, dann zwei bis drei Wochen lang täglich eine halbe Abendstunde am Führstrick grasen lassen und gaaaanz langsam an mehr Freiheit im Grünen gewöhnen.

Zum hohen Proteingehalt des Frühlingsgrases kommt nämlich noch eine Absenkung der Darmbakterien im Winter, weil die Tiere während der kalten Jahreszeit nur Heu, Stroh und Kraftfutter gefressen haben. Wenn nun frisches Gras auf zu wenige Bakterien trifft, belastet das den Stoffwechsel (speziell Leber und Nieren) stark. Warmblüter vertragen das viele Protein im frischen Frühlingsgras noch am ehesten und reagieren „nur“ mit Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall und Blähungen. Das gibt sich im Normalfall bald.

Haflinger, Norweger, Isländer, Shettlandponies und alle anderen Pony-Rassen sind jedoch  wesentlich stärker gefährdet. Warum?

Der Nährwert von Gras ist im Frühling nämlich auch in Bezug auf den Fruktosegehalt ganz anders als im Sommer und vor allem in der ersten Wachstumsphase des Grases sehr hoch. Dieses Fruktan besteht aus langkettigen Zuckermolekülen, die umso stärker vorkommen, je kälter der Boden noch ist. Das kann ganz schnell Hufrehe auslösen – eine für das Pferd extrem schmerzhafte Erkrankung des Hufes, die durch Veränderungen in der normalen Durchblutung des Fußes entsteht.

Erste Anzeichen vor dem Lahmgehen können geschwollene Beine sein. Wenn’s ganz arg ist, streckt das Pferd die Vorderfüße so weit wie möglich nach vorne und stellt die Hinterfüße so weit wie möglich unter den Körper, um so viel Gewicht wie möglich auf die Hinterfüße verlagern und die schmerzenden Vorderfüße entlasten zu können. Dann herrscht allerdings bereits Alarmstufe dunkelrot!

Tipps zur Unterstützung beim Anweiden:

  • Das Gras sollte mindestens zehn Zentimeter hoch sein, damit das Pferd auf die Weide darf.
  • Niemals vor dem Weidegang Kraftfutter geben, das kann zu Koliken führen.
  • Heu vor dem Anweiden macht dagegen Sinn, da sich das Pferd damit nicht ausgehungert auf die Wiese stürzt.
  • Von Anfang an sauberes Trinkwasser und Salzleckstein bereitstellen.
  • Die Weide von Beginn an auf Giftpflanzen überprüfen, aufkommenden Adlerfarn, Hahnenfuß, Schierling, Herbstzeitlose etc. sofort mit der Wurzel ausstechen.
  • Eventuell noch vorhandenen Mist entfernen, manche Würmer sind sehr widerstandsfähig.