Wie schlafen Pferde?

Dienstag, 21. Juni 2016

Wie schlafen Pferde?

Pferde müssen schlafen, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Sie haben jedoch ganz andere Schlafgewohnheiten als Menschen.

Arten des Schlafs

Beim Menschen ist es einfach: entweder er schläft oder er ist wach. Bei Pferden sieht das jedoch anders aus, denn sie haben verschiedene Formen des Schlafs und der Ruhe, die teilweise nicht voneinander unterscheidbar sind. Schauen wir uns diese genauer an:

  • Dösen
    Mit Dösen wird das Stadium zwischen Wachen und Schlafen bezeichnet. Es handelt sich um eine Art Vorstufe zum SWS-Schlaf. Es ist nicht erkennbar, in welcher dieser beiden Zustände sich ein Pferd befindet.
  • SWS-Schlaf
    SWS steht für Slow-Wave-Sleep. Dabei verlangsamen sich die Atemfrequenz und der Herzschlag, manchmal sind leichte Muskelbewegungen erkennbar. Das Gehirn der Pferde ist dabei inaktiv. Diese Art des Schlafs können Pferde auch im Stehen ausführen. Dabei ist ein stetes Absenken des Kopfes bemerkbar, die Augen sind halb oder ganz geschlossen und die Belastung der Hinterbeine wird in regelmäßigen Abständen gewechselt. Wenn die Pferde während des Schlafs auf dem Brustkasten liegen, befinden sie sich immer im SWS-Schlaf. In dieser Schalfphase wachen Pferde beim kleinsten Geräusch auf und sehen nach, was los ist.
  • REM-Schlaf
    Das ist die Tiefschlafphase bei Pferden. Kreislauf und Atmung werden zurückgefahren, das Gehirn ist aber sehr aktiv. Die Augen sind geschlossen, wobei sie zucken (deshalb der gleiche Name wie beim Menschen: Rapid Eye Movement). Untersuchungen haben gezeigt, dass Pferde zuerst immer in den SWS-Schlaf fallen und erst dann in den REM-Schlaf kommen. Diese Art des Schlafs ist nur beim Liegen auf der Seite möglich und ist besonders wichtig für die Erholung der Muskeln.

Wie lange schlafen Pferde pro Tag?

Pferde benötigen nicht so viel Schlaf wie Menschen. Die meisten Pferde schlafen zwischen drei und fünf Stunden pro Tag, wobei Fohlen sehr viel mehr schlafen. Sie schlafen, im Gegensatz zum Menschen, in kurzen, über den Tag verteilten Intervallen. Nachts schlafen sie ungefähr sechs Mal, wobei der längste Schlafzyklus gut 15 Minuten dauert. Dazu kommen rund dreieinhalb Stunden dösen pro Tag.
Im Stall sind Pferde rund 75 % des Tages wach, 13 % des Tages befinden sie sich im SWS-Schlaf, 8 % dösen sie und 4 % sind sie im REM-Schlaf.

Wieso können Pferde im Stehen schlafen?

Beim Menschen entspannen sich beim Schlafen alle Muskeln. Beim Pferd ist das nicht anders. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wieso die Pferde dann nicht umfallen, wenn sie im Stehen schlafen. Der Grund dafür ist eine spezielle Anordnung der Bänder und Sehnen. Die Pferde können diese sozusagen verschließen, was es ihnen erlaubt, sicher zu stehen, auch wenn sie gerade dösen. Evolutionär gesehen eine gute Idee. Pferde sind Fluchttiere und können so im Notfall direkt davonlaufen, ohne vorher aufstehen zu müssen.

Wie schlafen Pferde?

Oft legen sich Pferde zum Schlafen hin. In Brustlage fallen Pferde in den SWS-Schlaf. Nur wenn sie auf der Seite liegen, die Beine gestreckt, fallen sie in den REM-Schlaf. Pferde legen sich aber nicht überall hin. Sie suchen sich dafür ein trockenes, sauberes Plätzchen. Finden sie keines, legen sie sich oft erst gar nicht hin. Tun sie es doch und der Untergrund ist feucht, können rheumatische Krankheiten der Fall sein. Bei schlecht eingestreuten Boxen dagegen kann es zu Schürfwunden am Sprunggelenk kommen.

Mein Pferd legt sich zum Schlafen nicht mehr hin. Woran liegt das?

Das kann mehrere Ursachen haben. Das Pferd könnte Schwierigkeiten beim Hinlegen oder beim Aufstehen haben. Letzteres trifft oft auf alte Pferde oder Spatpferde zu. Bei Boxhaltung könnte der Boden feucht sein oder die Box ist zu eng. Grund dafür können aber auch psychische Ursachen wie Angst, erhöhte Nervosität und Ähnliches sein. Bei älteren Pferden ist z. B. zu beobachten, dass sie sich nicht mehr so oft hinlegen, weil sie Probleme beim Aufstehen haben. Solche Pferde ruhen öfter im Stehen und seltener im Liegen in der REM-Phase, weil das Aufstehen extrem anstrengend ist.

Was passiert, wenn Pferde nicht mehr in den Tiefschlaf kommen?

Wie alle Säugetiere brauchen auch Pferde regelmäßige Tiefschlafphasen, um mental und körperlich fit zu bleiben.
Leiden Pferde unter Schlafmangel, treten die gleichen psychischen und in weiterer Folge physischen Probleme auf wie bei anderen Säugetieren.
Schlafmangel verursacht Stress. Das wird zunächst durch Verhaltensänderungen erkennbar. Die Tiere sind unruhig, schreckhaft und zeigen aggressives Verhalten. Auch vermehrte, jedoch abgebrochene Versuche, sich hinzulegen, sind ein Zeichen. Später kommen gesundheitliche Probleme dazu, weil das Immunsystem leidet. Das führt z. B. zu einer gesteigerten Anfälligkeit für Koliken.
Mögliche Faktoren, die den Schlaf stören, können neben einer nicht pferdegerechten Stalleinrichtung, die kein bequemes Liegen erlaubt, auch die Weidehaltung ohne oder mit zu kleiner Schutzhütte sein sowie ein nasser Schlafplatz. Letzeres ist vor allem im Winter ein Problem. Natürlich kann auch Lärm stören.