Tipps für "Seniorenpferde"

Mittwoch, 09. Dezember 2015

Tipps für "Seniorenpferde"

Heute ist es nicht mehr selten, dass auch Pferde ein stattliches Alter erreichen. Mit dem Alter ändern sich auch die Anforderungen an die Haltung. In diesem Artikel behandeln wir Dinge, die beachtet werden sollten, damit sowohl Sie als auch Ihr Pferd noch lange Freude haben.

Wann ist ein Pferd alt? Das ist die Frage, die es zunächst zu beantworten gilt. Nur auf das chronologische Alter zu schauen, reicht nicht. Von Tier zu Tier kann es starke Unterschiede geben, die von verschiedenen Faktoren abhängen. Zunächst spielt die Veranlagung eine große Rolle, es kommen jedoch auch Faktoren wie Umwelteinflüsse, die Aufzucht, die Fütterung und die Haltung dazu.

Trotzdem baut der Körper, auch bei besten Voraussetzungen, irgendwann ab. Dann geht es meist darum, dass das Pferd gesund alt wird. So haben Sie und auch Ihr Pferd am meisten davon. Für ein Pferd gehört zum gesunden Altern viel frische Luft, Anreize zur Bewegung, der Sozialkontakt mit Artgenossen und die Möglichkeit, über mehrere Stunden hinweg Futter aufnehmen zu können.

Ältere Tiere vertragen Wetterwechsel nicht mehr gut. Wird es kühler oder regnet es, sollte eine angepasste Regendecke fürs Freie verwendet werden, die wasserdicht und atmungsaktiv ist. Es eignet sich auch eine normale Decke, diese sollte aber wirklich nur bei schlechtem Wetter verwendet werden. Sonst fehlen dem Stoffwechsel Anregungen zur Thermoregulation, was sich langfristig kontraproduktiv auswirkt, da das Pferd dann nicht mehr ohne Decke auskommt.

Da der Organismus bei vielen Dingen länger braucht, beginnt auch die Bildung des Winterfells früher, oft schon im Spätsommer. Oft ist es um diese Jahreszeit noch heiß und ältere Tiere kommen ganz schön ins Schwitzen. Hier können Wasserkuren, bei denen die Beine gekühlt werden, Abhilfe schaffen. Sie regen den Stoffwechsel ebenso an wie das massageartige Bürsten des Fells.

Je älter ein Pferd wird, desto wahrscheinlicher sind Zahnprobleme. Der Pferdezahnarzt sollte zwei Mal pro Jahr vorbeischauen. Durch schlechte Zähne wird die Nahrung nicht mehr ordentlich gekaut und eingespeichelt. Im schlimmsten Fall kommt es sogar zu Schlundverstopfung.
Fallen dem Pferd bei Fressen Heuwickel aus dem Mund, ist das ein Zeichen dafür, dass etwas beim Kauen nicht stimmt. Kann das Tier wirklich nicht mehr ordentlich kauen, spuckt es das Futter entweder aus, was zu Abmagerung führt, oder das Tier schluckt die schlecht gekaute Nahrung, was in weiterer Folge Verdauungsprobleme hervorruft. Es ist also wichtig, auf die Zahngesundheit zu achten.

Ältere Tiere haben andere Anforderungen an das Futter, z. B. einen erhöhten Nährstoffbedarf. Eine Zusatzfütterung von Vitaminen (A, C, E) sowie Mineralstoffen und Spurenelementen (Zink, Selen, Mangan, Kupfer, Magnesium, …) sollte überlegt werden. Außerdem ändert sich mit den Jahren die Art der Futteraufnahme. Alte Tiere neigen dazu, kleinere Mengen Futter über den Tag verteilt aufzunehmen. Deshalb sollte dafür gesorgt werden, dass Nahrung drei bis vier Mal täglich zur Verfügung steht. Sehr gut eignen sich dafür Heucobs. Das ist gehäkseltes Gras, dass getrocknet und gepresst wird. Dabei ist der Rohfasergehalt wichtig. Je mehr Rohfaser, desto besser für das Tier. Die Heucobs werden am besten zuerst eingeweicht, dann bereitet das Kauen weniger Probleme.

Pferde sind Herdentiere. Auch ältere Pferde benötigen Gesellschaft. Diese muss aber “passen”. Ältere Tiere sind in der Rangfolge innerhalb der Herde weit unten, außerdem brauchen sie Ruhe und Zeit zur Erholung. Eingegriffen werden sollte, wenn jüngere Tiere das ältere Pferd attackieren oder scheuchen. Dann ist ein separater  Auslauf mit Sichtkontakt zu anderen Tieren die beste Lösung. Oder das ältere Tier wird zu anderen Pferden gegeben, mit denen es gut auskommt. Es sollte auch an Rückzugsmöglichkeiten wie Nischen, etc. gedacht werden. Wie gesagt, ältere Tiere suchen öfter aktiv nach Ruhe.