Montag, 08. September 2014

Hilfe, mein Pferd ist nicht mehr reitbar!

Meist hält man sich ein Pferd, um gemeinsame Ausritte genießen zu können oder sogar Turniere zu bestreiten. – Aber was ist, wenn der heißgeliebte Vierbeiner plötzlich nicht mehr „funktioniert“? Behält man ihn trotzdem? Das Pferd als hochsoziales, sensibles Tier und treuer Freund hat es sich schließlich nicht ausgesucht, bei welchem Menschen es einzieht! 

Irgendwann ist es immer soweit: Mit fortgeschrittenem Alter und / oder einer Erkrankung kann das Pferd nicht mehr geritten werden. Oft ist es eine Ultraschalluntersuchung, an deren Ende die endgültige Diagnose fest steht: Gelenkabnutzung, Sehne gerissen oder Ähnliches stellen den/die Pferdebesitzer/in vor die Situation – willst du dein Pferd behalten oder nicht? Reiten wirst du es wahrscheinlich nie mehr können…

Oft ist es eine Frage des Sich-Leisten-Könnens, wenn man nur ein Pferd hat und gerne reitet: Gibt man das alte, kranke her und legt sich ein neues zu? Und wenn die Entscheidung auf „neues Pferd zulegen“ fällt ­– WOHIN gibt man das alte?

Eine Möglichkeit ist, es einfach zu verkaufen. Leider ist das dem Pferd gegenüber nicht sehr fair, denn entweder es landet furchtbarerweise beim Abdecker. Oder es wird wieder als Reitpferd verkauft und leidet dann in der neuen Situation umso mehr.
Eine weitere Möglichkeit stellen Gnadenhöfe dar: Da können die Tiere unter ihresgleichen ein Leben als Senioren führen und es sich gut gehen lassen – aber solche wunderbaren Möglichkeiten sind nicht an jeder Ecke vorrätig.
Dann kann man jemanden suchen, der ein Beistellpferd braucht, weil er selbst gerade ein krankes Pferd hat oder ohnehin eine ganze Herde und viel Platz (und ein großes Herz für Pferde).

Sollte es jedoch irgendwie machbar sein, wäre es nur gerecht, das Tier auch auf seine alten Tage zu behalten, es hat einen ja meist viele Jahre treu begleitet und ist keine „Sache“, die man einfach wegwirft, wenn sie kaputt wird!
Außerdem: Pferde brauchen keinen Reitsport, um glücklich zu sein! Sie lieben es, unter Artgenossen zu sein, ausgedehnte Wanderungen zu unternehmen und sich frei zu bewegen. Wir können also auch ohne zu reiten viel Zeit mit unserem Tier verbringen und uns emotional verbunden fühlen.

Das Zusammensein mit einem Pferd kann auch ohne Reiten total lustig sein: Man kann mit ihm Tricks einstudieren, spazieren gehen, spielen, klassische Handarbeit oder Longenarbeit machen, Kutsche fahren, Horse Agility Trails ausprobieren und noch viel mehr!

Es ist IMMER eine große Verantwortung, ein Tier zu sich zu nehmen: Es bedeutet, man erklärt sich bereit, sich darum zu kümmern und für es zu sorgen, auch wenn die eigenen Wünsche manchmal hintanstehen müssen – so ist eine Partnerschaft eben!
Pferde sind keine „Sache“, keine „Ware“ – sie sind fühlende Lebewesen. Und ein solches darf man nicht einfach so im Stich lassen, auch, wenn es nicht mehr reitbar ist!