Freitag, 23. November 2012

Pegasus: Sagenhaftes Pferd am Herbsthimmel

Die antike Astronomie kennt 48 Sternbilder, eins der größten davon ist das geflügelte Pferd Pegasus. Es fällt durch seine vier hellen, nahezu im Quadrat stehenden Sterne auf („Herbstviereck“) und ist bis in den Winter hinein in den späten Abendstunden halbhoch am südöstlichen Himmel zu sehen. Aber – wie kam das Pferd dorthin?

Man muss sich das Sternbild Pegasus als kopfstehendes Pferd vorstellen, es fliegt also mit den Beinen nach oben durchs nächtliche Firmament (bei der Deutung von Sternbildern ist ja  immer eine Menge Phantasie gefragt…). Dabei ist es eben das hell strahlende Viereck, das in klaren Herbstnächten auch ohne Fernglas ins Auge sticht. Diese vier Sterne, die so stark leuchten, heißen Markab, Scheat, Algenib und Sirrah („arab. „Pferdenabel“), wobei letzterer nicht mehr ausschließlich zum Pegasus gehört, sondern auch schon der erste Stern von Andromeda ist.

Was hat das Pferd Pegasus gemacht, dass es 100 Lichtjahre von der Erde weg und zu den Sternen versetzt wurde? – Die griechische Sage erzählt, dass seine Eltern Medusa und Poseidon gewesen seien (der Gott der Meere hatte sich in einen Hengst verwandelt, um bei der wunderschönen Medusa zu landen, was Medusa aber nicht gut bekam. Als Poseidons Gattin Athene die beiden in flagranti erwischte, verzauberte sie die Kontrahentin in ein scheußliches Ungeheuer). Irgendwann kam dann Perseus vorbei und schlug der Medua den Kopf ab (das ist eine andere Geschichte) – und ihrem Rumpf entsprang Pegasus, das geflügelte Pferd.

Pegasus flog also fröhlich übers Land und schlug am Berg Helikon mit seinen Hufen eine den Musen geweihte Quelle auf. So wurde er das Pferd, das den Poeten zu ihren Gedankenflügen verhilft und ihre Phantasie beflügelt. Noch heute heißt es Dichtern und Denkern, sie hätten den Pegasus bestiegen, wenn sie von der Muse geküsst werden…

In der griechischen Sagenwelt kommt nun noch ein Held namens Bellerophon ins Spiel: Er bekam von Athene im Traum besondere Zügel geschenkt, um das unbändige geflügelte Pferd zu zähmen. Die beiden verstanden sich daraufhin tatsächlich so gut, dass Pegasus ihm half, die böse Chimera zu erledigen: Das war ein Ungeheuer, halb Löwe und halb Ziege mit einem Drachenschwanz und einem feuerspeienden Maul.
Mit dem geflügelten Pferd raste unser Held vom Himmel herab und stieß sein Schwert mutig in das Herz der sagenhaften Scheußlichkeit.

Dieser große Sieg ließ den guten Bellerophon aber übermütig werden, von nun an zählte er sich selbst zu den Göttern und wollte zu ihnen – sie wollten das aber nicht und waren ziemlich erbost. Also schickten die Götter eine Wespe, die das Pferd stach. Das erschreckte und sich vor Schmerzen aufbäumende Tier warf den siegestrunkenen Helden samt dem verzauberten Zaumzeug ab. – Ja, und in dieser Stellung wurde Pegasus unter die Sterne versetzt: Mit den Hufen nach oben und dem Rücken nach unten zeigend.
So wurde Pegasus also zum Sternbild – aus Schreck nach einem Wespenstich.